LabMag: Wer kopiert hier künftig wen?
Künstliche Intelligenz, Automatisierung, digitale Prozesse – wir haben diese Themen schon oft aufgegriffen.
LabMag 12: Wer kopiert hier künftig wen?
Zahntechnik 2026 – und eine ziemlich unbequeme Frage
Künstliche Intelligenz, Automatisierung, digitale Prozesse – wir haben diese Themen schon oft aufgegriffen. Und ja: Wir tun es schon wieder. Nicht, weil KI als Trendthema durch die Branche wandert, sondern weil sich dahinter eine größere Frage verbirgt: Was passiert gerade mit dem Beruf „Zahntechnik“? Als Material- und Technologiepartner erleben wir, dass viele Labore gerade weniger über Geräte als über Prozesse und ihre künftige Rolle nachdenken.
Zahntechnik ist ein Beruf, bei dem Erfahrung und handwerkliches Können darüber entschieden haben, was funktioniert. Genau darin sind aber auch Technologien inzwischen erstaunlich gut. Unbequem ist die Frage danach: Was passiert, wenn Systeme nicht mehr nur Zähne imitieren, sondern Teile zahntechnischer Denk- und Entscheidungsprozesse übernehmen? Wer kopiert künftig wen? Annett Kieschnick widmet sich der Thematik vergleichsweise persönlich. Ihr Deep Dive soll eine Einladung zum Mitdenken sein. Vielleicht wird das polarisieren. Aber vielleicht ist genau das notwendig, bevor wir im nächsten LabMag gemeinsam mit einem Technologie-Strategen den Blick in andere Branchen richten.
Quick Takes | Was bewegt die Branche?
E-Rechnung: Seit 2025 müssen Dentallabore elektronische Rechnungen empfangen können. Die Pflicht zur Ausstellung folgt je nach Unternehmensgröße ab 2027 bzw. 2028. Checkliste & Umsetzungshilfe
KI bleibt Verantwortungssache: Auch beim Einsatz KI-gestützter Systeme liegt die fachliche Verantwortung weiterhin beim Anwender. Darauf weist die Bundeszahnärztekammer hin. mehr
3D-Druck von Schienen: Wie alltagstauglich und langlebig sind gedruckte Aufbissschienen wirklich? ZTM Jannick Bade hat optiprint durotec im Laboralltag getestet. Zum Artikel
Deep Dive | Hintergrund und Perspektiven
„1000-mal berührt, 1000-mal ist nichts passiert.“ Ein bisschen so fühlt sich die KI-Debatte in der Zahntechnik an. Seit Jahren sprechen wir über Digitalisierung, Automatisierung und KI. Trotzdem wirkt vieles erstaunlich weit weg.
„Moment mal, wir sind doch längst digital.“ Mit Scanner, 3D-Druck und Fräsmaschine klingt das plausibel. Die Branche hat eine technologische Evolution hingelegt, von der andere Handwerke nur träumen. Doch wenn wir ehrlich sind: Das war vor allem Infrastruktur. Werkzeuge wurden durch modernere Werkzeuge ersetzt. Ob KI tatsächlich die nächste Entwicklungsstufe der Zahntechnik wird, ist offen. Viele Labore kämpfen aktuell mit deutlich unmittelbareren Herausforderungen. Dennoch spricht einiges dafür, die Entwicklung aufmerksam zu beobachten – denn erstmals geht es nicht nur um neue Werkzeuge, sondern um Systeme, die analysieren, bewerten und Vorschläge machen können. Interessant wird die Entwicklung dort, wo Technologie anfängt mitzudenken.
KI ist nicht einfach ein neues Tool
Und jetzt werde ich etwas persönlich. KI ist für mich kein „Trendthema“, das ich beobachte. Sie sitzt mit mir am Schreibtisch. Jeden Tag. Nicht „zum Ausprobieren“. Auch nicht, um meine Texte schreiben zu lassen. Sie strukturiert Gedanken, priorisiert Informationen und liefert Perspektiven, auf die ich allein vielleicht erst Stunden später gekommen wäre. Dadurch entsteht Raum für neue Ideen, andere Projekte und für neue Formen zu arbeiten. Einer meiner größten Aha-Momente: Die Arbeit mit Claude Co-Work. Zum ersten Mal fühlte sich KI nicht wie ein Werkzeug an, sondern wie jemand, der aktiv mitarbeitet. Ob und wie sich solche Erfahrungen auf die Zahntechnik übertragen lassen, ist eine offene Frage, die jedoch gestellt werden sollte.
KI automatisiert nicht einfach Arbeit. Sie verschiebt die Grenzen dessen, was eine einzelne Person leisten kann – und eröffnet damit neue Handlungsspielräume.
Der Unterschied zwischen digital und künstlich intelligent
„Für Standardfälle im Dentallabor mag das mit der KI funktionieren, aber nicht für echte Zahntechnik.“ Nachvollziehbares Argument. Doch was passiert, wenn Technologien Aufgaben übernehmen, für die im Moment noch Erfahrung und Ausbildung nötig sind?
Viele Labore nutzen KI-gestützte Systeme, etwa zusammen mit der CAD-Software. Aber es gibt einen Unterschied zwischen digitalisierten, von Herstellern wie dentona validierten Prozessen und künstlich intelligenten Systemen.
Während Standardfälle zunehmend automatisierbar werden, wandert der Wert der Arbeit in Richtung Komplexität. Die Frage ist nur: Was gilt als komplex? Als komplex gilt möglicherweise nicht mehr ausschließlich eine handwerkliche Umsetzung, sondern das Steuern digitaler Prozesse, das fachliche Einordnen von Ergebnissen und die Verantwortung in immer intelligenteren Workflows.
Ob dadurch tatsächlich mehr Wertschöpfung entsteht oder lediglich andere Marktteilnehmer profitieren, bleibt offen. Gerade deshalb lohnt es sich, Entwicklungen zu beobachten und über die eigene Rolle nachzudenken – am besten, bevor andere beginnen, diese Rolle zu definieren.
Eine ziemlich unbequeme Frage
„Braucht KI noch Zahntechniker?“ Kann man fragen. Doch die unbequemere Frage lautet: Welche Art von Zahntechnik wird künftig überhaupt noch notwendig sein?
Erstmals dringt KI in Bereiche vor, die bisher menschlicher Expertise vorbehalten waren – vom Komponieren eines Musikstückes über Design und Softwareentwicklung bis hin zur Zahntechnik. Interessant ist dabei nicht, was KI ersetzt, sondern, was sie ermöglicht. So entstehen beispielsweise Werke von Menschen, die nie ein Instrument gelernt, nie Design studiert oder nie programmieren gelernt haben. Die Kreativität war vielleicht schon immer vorhanden, neu ist nun der Zugang dazu. Auch wenn Zahntechnik aufgrund ihrer medizinischen und regulatorischen Anforderungen nicht direkt mit Kreativberufen vergleichbar ist, zeigt sich ein ähnliches Muster: Technologie erweitert den Zugang zu Fähigkeiten, die bisher Spezialwissen voraussetzten.
Die Gefahr liegt darin, dass Menschen aufhören, KI-Entscheidungen zu hinterfragen. Wer KI-Urteile routinemäßig übernimmt, verliert die Fähigkeit, eigene Urteile zu fällen.
In vielen Branchen ändern sich Rollenbilder. Auch in der Dentalbranche wird die Entwicklung diskutiert. Doch im Alltag vieler Labore bleibt dafür kaum Raum. Verständlich. Zwischen Fachkräftemangel, Zeitdruck und Tagesgeschäft wirkt KI schnell wie „noch ein Thema“. Dabei verändert sich die Rolle der Zahntechnik schneller, als viele Zeit haben, darüber nachzudenken.
Die eigentliche Frage ist also nicht technologisch …
… sondern strategisch. Wer sich mit KI erst beschäftigt, wenn die neue Software da ist, greift zu kurz. Die Veränderung betrifft das Selbstverständnis des Berufs. „Wofür braucht man noch zahntechnisches Wissen?“ Die Frage ist unbequem. Genau deshalb muss sie gestellt werden.
Ausblick auf LabMag 13: „KI ist kein Software-Update, sondern eher ein Wechsel des Betriebssystems.“
Wenn sich die Herausforderung tatsächlich weniger technisch als strategisch stellt, gewinnen Austausch- und Orientierungsangebote an Bedeutung. Unternehmen wie dentona verändern in diesem Prozess ihre Rolle. Sie sind nicht „nur“ Produkthersteller oder Händler, sondern begleiten Labore bei Fragen, die über Materialien und Geräte hinausgehen. Formate wie LabMag oder d.connect geben dafür Raum: für Orientierung, Austausch und die gemeinsame Frage, wie Zahntechnik künftig arbeiten will.
Im kommenden LabMag gehen wir gemeinsam mit einem Technologie-Strategen, der Entwicklungen fachübergreifend beobachtet, der Frage nach, welche Impulse andere Branchen für die Zahntechnik liefern könnten.
Meet & Learn | Termine & Training
Digitale Teleskoptechnik 2.0: 30. September und 11. November 2026, DortmundDigital gedacht, digital gemacht: Primär- und Sekundär-Teleskopkronen in einem Arbeitsgang. mehr
